Matrixyl
PräklinischAuch bekannt als: Palmitoyl Pentapeptid-4, Pal-KTTKS, Palmitoyl Pentapeptid-3, Palmitoyl-Lys-Thr-Thr-Lys-Ser, C16-KTTKS
Matrixyl (Palmitoyl Pentapeptid-4, Pal-KTTKS) ist ein synthetisches Signalpeptid mit einem Molekulargewicht von ca. 802 Da, das die Sequenz KTTKS (Lys-Thr-Thr-Lys-Ser) enthält. Dieses Fragment stammt aus dem C-terminalen Propeptid von Prokollagen I und fungiert als sogenanntes Matrikin: Es signalisiert Fibroblasten, dass Reparaturbedarf an der extrazellulären Matrix besteht, und stimuliert die Synthese von Kollagen I, III und IV sowie Elastin, Fibronektin und Glykosaminoglykanen. Die Palmitoyl-Modifikation (16-Kohlenstoff-Fettsäurekette) verbessert die Hautpenetration erheblich. In einer doppelblinden, placebokontrollierten Split-Face-Studie an 93 Probandinnen zeigte Matrixyl nach 12 Wochen eine signifikante Faltenreduktion gegenüber Placebo.
KATEGORIE
Kosmetik & Hautschutz
HALBWERTSZEIT
Nicht systemisch relevant (topisch)
VERABREICHUNG
Topisch
EVIDENZ
Hoch
ANWENDUNGSDAUER
8–16 Wochen topisch
Aktueller Status: Präklinisch
Kosmetischer Wirkstoff mit mehreren doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Studien. Signifikante Faltenreduktion nachgewiesen. Nicht als Arzneimittel zugelassen, da es als Kosmetikinhaltsstoff vermarktet wird. Entwickelt von Sederma SAS (Handelsname Matrixyl), Markteinführung im Jahr 2000.
Beliebt für
Wirkmechanismus
Matrixyl enthält die Pentapeptid-Sequenz KTTKS (Lys-Thr-Thr-Lys-Ser), ein Fragment des C-terminalen Propeptids von Prokollagen I. Wenn Kollagen in der Haut synthetisiert wird, spaltet die Prokollagen-C-Proteinase das Propeptid ab. Das dabei entstehende KTTKS-Fragment ist ein natürliches Matrikin, also ein Signalpeptid, das den Fibroblasten mitteilt, dass die extrazelluläre Matrix (ECM) Reparatur benötigt. Durch die exogene Zufuhr von Pal-KTTKS wird dieser Feedbackmechanismus gezielt aktiviert. Das Peptid bindet an Fibroblastenrezeptoren und löst über TGF-β-ähnliche Signalwege eine Kaskade aus, die zur vermehrten Synthese von Kollagen I, III und IV, Elastin, Fibronektin und Glykosaminoglykanen führt. In-vitro-Studien an humanen dermalen Fibroblasten bestätigten diese konzentrationsabhängige Kollagenstimulation. Ein weiterer Wirkmechanismus ist die Hemmung von MMP-1 (Matrix-Metalloproteinase 1, auch Kollagenase genannt), die für den enzymatischen Abbau von Kollagen verantwortlich ist. Matrixyl schützt so die bestehende Kollagenstruktur, während gleichzeitig neue Synthese gefördert wird. Die Palmitoyl-Gruppe (eine 16-Kohlenstoff-Fettsäurekette) ist entscheidend für die Wirksamkeit: Sie erhöht die Lipophilie des Peptids und ermöglicht die Penetration durch das lipidreiche Stratum corneum in tiefere Hautschichten. Studien zur Hautpermeation zeigten, dass Pal-KTTKS im Gegensatz zum unmodifizierten KTTKS tatsächlich alle Hautschichten erreicht, einschließlich der Dermis, wo die Fibroblasten sitzen.
Dosierung
Standard-Serum/Creme
Dosis
50–200 ppm Pal-KTTKS
Frequenz
2× täglich
Verabreichung
Topisch
Zyklus: Dauerhaft
Morgens und abends auf gereinigte Haut auftragen. Kompatibel mit den meisten Wirkstoffen (Vitamin C, Niacinamid, Hyaluronsäure, Retinol). Bei empfindlicher Haut zunächst 1× täglich testen.
Kombinationspflege
Dosis
100 ppm Pal-KTTKS + 5 % Niacinamid
Frequenz
2× täglich
Verabreichung
Topisch
Zyklus: Dauerhaft
Die Kombination mit Niacinamid zeigt synergistische Effekte auf die ECM-Genexpression und den NAD+/NADH-Energiehaushalt der Fibroblasten (Osborne et al., 2013).
Timing & Einnahme
Beste Einnahmezeit
Morgens und abends
Mahlzeiten
Nicht relevant (topische Anwendung)
Warum dieses Timing?
Die Kollagensynthese in der Haut findet kontinuierlich statt, mit einem Aktivitätspeak in den Nachtstunden. Zweimal tägliche Anwendung stellt eine konstante Verfügbarkeit des Signalpeptids sicher und nutzt sowohl die Tagesreparatur als auch die nächtliche Regenerationsphase.
Mögliche Nebenwirkungen
Nicht jeder erlebt diese Effekte. Individuelle Reaktionen variieren.
Studienlage (7 Studien)
Matrixyl wurde von Dr. Karl Lintner bei Sederma SAS entwickelt und im Jahr 2000 als kosmetischer Wirkstoff auf den Markt gebracht. Es gehört zu den am besten dokumentierten kosmetischen Peptiden weltweit. Die zentrale klinische Studie ist eine doppelblinde, placebokontrollierte Split-Face-Untersuchung von Robinson et al. (2005, n=93), die nach 12 Wochen eine signifikante Reduktion von Falten und feinen Linien bei topischer Anwendung von nur 3 ppm Pal-KTTKS nachwies. Eine umfassende Review von Abu Samah und Heard (2011) bestätigte die In-vitro-Wirksamkeit auf Fibroblasten, wies jedoch auf den Mangel an In-vitro-Hautpenetrationsdaten in der Literatur hin. Jones et al. (2013, Mol Pharm) zeigten, dass die Selbstorganisation von C16-KTTKS zu Nanotape-Strukturen mit der konzentrationsabhängigen Kollagenstimulation zusammenhängt. Neuere Arbeiten (Choi et al., 2014; Vitali et al., 2024) untersuchen die Stabilität, Hautpermeation und optimierte Trägersysteme wie Liposomen zur Verbesserung der Wirkstoffzufuhr.
Topical palmitoyl pentapeptide provides improvement in photoaged human facial skin
Robinson LR et al. · Int J Cosmet Sci · 2005
Doppelblinde, placebokontrollierte Split-Face-Studie: 3 ppm Pal-KTTKS führte zu signifikanter Reduktion von Falten und feinen Linien gegenüber Placebo. Gute Hautverträglichkeit und positive Selbstbewertung der Probandinnen.
Topically applied KTTKS: a review
Abu Samah NH, Heard CM · Int J Cosmet Sci · 2011
Umfassende Übersichtsarbeit: KTTKS stimuliert spezifisch die Synthese von Kollagen I, III und Fibronektin in Fibroblasten. Die Palmitoyl-Modifikation verbessert die Hautpenetration erheblich. Überraschend wenige Hautpermeationsstudien in der Literatur vorhanden.
Collagen stimulating effect of peptide amphiphile C16-KTTKS on human fibroblasts
Jones RR et al. · Mol Pharm · 2013
C16-KTTKS stimuliert die Kollagenproduktion konzentrationsabhängig in humanen dermalen und kornealen Fibroblasten. Die Selbstorganisation zu Nanotape-Strukturen korreliert mit der biologischen Wirksamkeit.
Practical application of cellular bioenergetics to the care of aged skin
Osborne R et al. · Br J Dermatol · 2013
Kombination aus Niacinamid, Pal-KTTKS und Olivem erhöht den NAD+/NADH-Energielevel adulter Fibroblasten und steigert die Expression von Kollagen- und ECM-Genen (COL1A1, COL3A1, ELN) auf Werte, die jüngeren Fibroblasten ähneln.
Dermal Stability and In Vitro Skin Permeation of Collagen Pentapeptides (KTTKS and palmitoyl-KTTKS)
Choi YL et al. · Biomol Ther (Seoul) · 2014
Pal-KTTKS zeigte deutlich höhere Stabilität und Hautpermeation als unmodifiziertes KTTKS. Pal-KTTKS wurde in allen Hautschichten nachgewiesen (Stratum corneum, Epidermis und Dermis), während KTTKS in keiner Schicht detektierbar war.
Liposome Encapsulation of the Palmitoyl-KTTKS Peptide: Structural and Functional Characterization
Vitali A et al. · Pharmaceutics · 2024
In Liposomen verkapseltes Pal-KTTKS stimulierte die Kollagenproduktion in 3T3-Fibroblasten stärker als freies Pal-KTTKS und als Ascorbinsäure (Positivkontrolle). Liposomale Formulierung verbessert Stabilität und Wirkstoffzufuhr.
Signal Peptides - Promising Ingredients in Cosmetics
Skibska A, Perlikowska R · Curr Protein Pept Sci · 2021
Signalpeptide wie Matrixyl (Pal-KTTKS) lösen eine Signalkaskade aus, die die Kollagenproduktion der Fibroblasten, Elastin-, Fibronektin- und Lamininsynthese stimuliert. Matrixyl wird als Prototyp der Signalpeptide in der Kosmetik beschrieben.