PE-22-28

Präklinisch

Auch bekannt als: Mini-Spadin, Spadin-Analog, TREK-1-Inhibitor

PE-22-28 (Mini-Spadin) ist ein synthetisches Heptapeptid (7 Aminosäuren: GVSWGLR), das als optimiertes Analog des natürlich vorkommenden Peptids Spadin entwickelt wurde. Es hemmt selektiv den TREK-1-Kaliumkanal (TWIK-related K+ channel 1), was zu erhöhter neuronaler Erregbarkeit, verstärkter synaptischer Transmission und rapider Neurogenese führt. PE-22-28 ist stabiler und potenter als Spadin und zeigt in Tiermodellen antidepressive Wirkung innerhalb von 4 Tagen.

PE-22-28 – Wissenschaftliche Illustration

KATEGORIE

Kognition & Neuropeptide

HALBWERTSZEIT

Nicht bestimmt (Wirkdauer bis 23 Stunden im Mausmodell)

VERABREICHUNG

Subkutan / Intranasal

EVIDENZ

Niedrig

ANWENDUNGSDAUER

2-8 Wochen

Nur Tier- und Laborstudien. Keine kontrollierten Humanstudien abgeschlossen.
Erste Sicherheitsstudien am Menschen. Kleine Gruppen (20-80 Probanden).
Wirksamkeits- und Dosisfindungsstudien. Mittlere Gruppen (100-300 Probanden).
Groß angelegte Wirksamkeitsstudien. Tausende Probanden, Vergleich mit Placebo.
Von der FDA als sicher und wirksam eingestuft. Verschreibungspflichtiges Medikament.

Aktueller Status: Präklinisch

Ausschließlich präklinische Daten. Entwickelt als optimiertes Analog von Spadin (natürlicher TREK-1-Inhibitor). Zeigt in Mausmodellen rapide antidepressive und pro-neurogene Effekte. Keine Humanstudien.

Beliebt für

KognitionNeuroprotection

Wirkmechanismus

PE-22-28 wirkt über die selektive Hemmung des TREK-1-Kaliumkanals (KCNK2). TREK-1 ist ein Zwei-Poren-Kaliumkanal (K2P), der in Neuronen als eine Art Bremse auf die neuronale Erregbarkeit wirkt. Er hält Neuronen in einem weniger erregbaren Zustand und reguliert das Ruhemembranpotential. PE-22-28 blockiert TREK-1 mit einer IC50 von 0,12 nM (etwa 300-500-fach potenter als Spadin mit IC50 von 40-60 nM). Durch die TREK-1-Hemmung wird die neuronale Depolarisation erleichtert und die synaptische Transmission verstärkt, besonders im Hippocampus und präfrontalen Cortex. Dies stimuliert die Bildung neuer Neuronen (Neurogenese) und Synapsen (Synaptogenese) innerhalb weniger Tage. PE-22-28 erhöht die Expression von BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) und die Phosphorylierung von CREB (cAMP Response Element-Binding Protein), beides zentrale Marker für Neuroplastizität und antidepressive Wirkung. Die serotonerge Transmission wird über diesen indirekten Weg ebenfalls verbessert. Eine besondere Eigenschaft von PE-22-28 ist seine biphasische Wirkung auf TREK-1: Bei sehr niedrigen Dosen (0,03 µg/kg) wird die Kanalaktivität paradoxerweise erhöht (neuroprotektiv), bei höheren Dosen (3 µg/kg) gehemmt (antidepressiv). Dies wurde in einem Schlaganfall-Modell therapeutisch genutzt.

Dosierung

Subkutan (Community-Protokoll)

Dosis

200-500 µg

Frequenz

1x täglich

Verabreichung

Subkutane Injektion

Zyklus: 2-8 Wochen

Keine standardisierten Humandosen. Dosierungen basieren auf Extrapolation aus Tierdaten und Erfahrungsberichten. Keine klinische Validierung.

Intranasal (Community-Protokoll)

Dosis

100-300 µg

Frequenz

1-2x täglich

Verabreichung

Nasenspray

Intranasale Route für mögliche direkte ZNS-Wirkung. Rein experimentell, keine pharmakokinetischen Daten beim Menschen.

Timing & Einnahme

Beste Einnahmezeit

Morgens

Mahlzeiten

Nüchtern (basierend auf allgemeinen Peptid-Absorptions-Empfehlungen)

Warum dieses Timing?

Morgendliche Gabe orientiert sich an der Hypothese, dass Neurogenese-Prozesse von einer Stimulation im wachen Zustand profitieren. Keine spezifischen Timing-Studien vorhanden.

Mögliche Nebenwirkungen

Nicht jeder erlebt diese Effekte. Individuelle Reaktionen variieren.

Keine systematischen Humandaten verfügbarunbekannt
Mögliche initiale Stimulation oder Unruhe (Anwenderberichte)unbekannt
Kopfschmerzen (bei intranasaler Anwendung, Anwenderberichte)unbekannt
In Tiermodellen: keine Nebenwirkungen auf Schmerz, Epilepsie oder Herzfunktion beobachtetunbekannt

Studienlage (6 Studien)

PE-22-28 wurde vom Team um Jean Mazella, Catherine Heurteaux und Marc Borsotto am IPMC (Institut de Pharmacologie Moléculaire et Cellulaire) in Valbonne, Frankreich, entwickelt. Es ist das Ergebnis einer systematischen Optimierung von Spadin, einem natürlichen TREK-1-Inhibitor. Die Schlüsselpublikation von Djillani et al. (2017) zeigte, dass PE-22-28 eine 300-500-fach höhere TREK-1-Affinität als Spadin besitzt (IC50 0,12 nM vs. 40-60 nM), eine Wirkdauer von bis zu 23 Stunden hat (vs. 7 Stunden bei Spadin), nach nur 4 Tagen Behandlung Neurogenese und Synaptogenese im Hippocampus steigert und in Depressionstests (Forced Swim, Novelty Suppressed Feeding) signifikante antidepressive Wirkung zeigt. Alle Daten sind rein präklinisch (Mausmodelle). Es gibt keine Humanstudien, keine klinischen Trials und keine behördliche Prüfung.

Spadin, a sortilin-derived peptide, targeting rodent TREK-1 channels: a new concept in the antidepressant drug design

Mazella J et al. · PLoS Biology · 2010

Grundlagenarbeit: Spadin (PE 12-28, Vorgänger von PE-22-28) hemmt TREK-1 und zeigt in 5 Depressionstests antidepressive Wirkung nach nur 4 Tagen. Stimuliert CREB-Phosphorylierung und hippocampale Neurogenese. Spadin als erstes natürliches antidepressives Peptid identifiziert.

Deletion of the background potassium channel TREK-1 results in a depression-resistant phenotype

Heurteaux C et al. · Nature Neuroscience · 2006

Meilenstein-Studie: TREK-1-Knockout-Mäuse zeigen einen depressions-resistenten Phänotyp und verhalten sich wie mit Fluoxetin behandelte Tiere. Erhöhte Serotonin-Neurotransmission und reduzierte Corticosteron-Stressreaktion. TREK-1 als antidepressives Target etabliert.

Shortened Spadin Analogs Display Better TREK-1 Inhibition, In Vivo Stability and Antidepressant Activity

Djillani A et al. · Frontiers in Pharmacology · 2017

Schlüsselpublikation zu PE-22-28: IC50 von 0,12 nM (vs. 40-60 nM bei Spadin). Wirkdauer bis 23 Stunden (vs. 7 Stunden). Neurogenese und Synaptogenese nach 4 Tagen signifikant erhöht. PSD-95-Expression als Marker für Synaptogenese gesteigert.

Fighting against depression with TREK-1 blockers: Past and future. A focus on spadin

Djillani A et al. · Pharmacology & Therapeutics · 2019

Umfassender Review: Zusammenfassung aller Spadin-Analoga inkl. PE-22-28. Beschreibt Strategien zur Optimierung (Verkürzung, Retro-Inverso, Zyklisierung). PE-22-28 als vielversprechendstes Analog mit überlegener Stabilität und Potenz hervorgehoben.

First evidence of protective effects on stroke recovery and post-stroke depression induced by sortilin-derived peptides

Pietri M et al. · Neuropharmacology · 2019

Erste Evidenz für PE-22-28 bei Schlaganfall und Post-Stroke-Depression. Biphasische TREK-1-Modulation: niedrige Dosis neuroprotektiv, hohe Dosis antidepressiv. Verbesserte motorische und kognitive Defizite. Gesteigerte Neurogenese und Synaptogenese.

Retroinverso analogs of spadin display increased antidepressant effects

Veyssiere J et al. · Psychopharmacology · 2015

Retro-Inverso-Analoga von Spadin zeigen verbesserte antidepressive Eigenschaften und erhöhte hippocampale Neurogenese nach 4 Tagen. Keine Nebenwirkungen auf Schmerz, Epilepsie oder Herzfunktion. Belegt die Optimierbarkeit der Spadin-Peptidklasse.

Detailwissen

Häufige Fragen

Quellenverzeichnis

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