PT-141

FDA-zugelassen

Auch bekannt als: Bremelanotide, Vyleesi, PT141

PT-141 (Bremelanotide, Handelsname Vyleesi) ist ein synthetisches zyklisches Heptapeptid und Melanocortin-Rezeptor-Agonist, das 2019 von der FDA für die Behandlung der hypoaktiven sexuellen Appetitstörung (HSDD) bei prämenopausalen Frauen zugelassen wurde. Es ist das weltweit erste und einzige zugelassene Medikament, das sexuelles Verlangen über zentrale neuronale Mechanismen im Hypothalamus moduliert, im Gegensatz zu PDE5-Inhibitoren (Viagra), die rein peripher/vaskulär wirken.

PT-141 – Wissenschaftliche Illustration

KATEGORIE

Sexualgesundheit & Bräunung

HALBWERTSZEIT

2,7 Stunden

VERABREICHUNG

Subkutan

EVIDENZ

Sehr hoch

ANWENDUNGSDAUER

Bedarfsanwendung (pro Dosis)

Nur Tier- und Laborstudien. Keine kontrollierten Humanstudien abgeschlossen.
Erste Sicherheitsstudien am Menschen. Kleine Gruppen (20-80 Probanden).
Wirksamkeits- und Dosisfindungsstudien. Mittlere Gruppen (100-300 Probanden).
Groß angelegte Wirksamkeitsstudien. Tausende Probanden, Vergleich mit Placebo.
Von der FDA als sicher und wirksam eingestuft. Verschreibungspflichtiges Medikament.

Aktueller Status: FDA-zugelassen

FDA-zugelassen am 21. Juni 2019 unter dem Handelsnamen Vyleesi für die Behandlung von erworbener, generalisierter hypoaktiver sexueller Appetitstörung (HSDD) bei prämenopausalen Frauen.

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Wirkmechanismus

PT-141 ist ein nicht-selektiver Agonist der Melanocortin-Rezeptoren MC3R und MC4R im zentralen Nervensystem, insbesondere im Hypothalamus. Die Aktivierung des MC4R moduliert dopaminerge Belohnungs- und Motivationsschaltkreise, die sexuelles Verlangen, Erregung und motivationale Bereitschaft steuern. Der Wirkmechanismus unterscheidet sich fundamental von PDE5-Inhibitoren (Sildenafil, Tadalafil): Während diese die periphere Durchblutung der Genitalien fördern, wirkt PT-141 direkt auf die zentralnervösen Motivations- und Belohnungszentren. Dies erklärt, warum PT-141 das sexuelle Verlangen (Desire) steigert und nicht nur die mechanische Erektionsfähigkeit. PT-141 ist ein Derivat von Melanotan II (MT-II), einem zyklischen α-MSH-Analogon. Während MT-II breit an allen Melanocortin-Rezeptoren wirkt (einschließlich MC1R, Bräunung), wurde PT-141 strukturell modifiziert, um die sexuelle/dopaminerge Wirkung beizubehalten und die Pigmentierungseffekte zu minimieren, obwohl bei häufiger Anwendung dennoch leichte Hyperpigmentierung auftreten kann.

Dosierung

Standard (FDA-zugelassen)

Dosis

1,75 mg

Frequenz

Bei Bedarf, mind. 45 Min vor sexueller Aktivität

Verabreichung

Subkutane Injektion (Oberschenkel, Bauch)

Max. 1 Dosis pro 24 Stunden. Max. 8 Dosen pro Monat. Nicht für tägliche Anwendung.

Timing & Einnahme

Beste Einnahmezeit

Mind. 45 Minuten vor gewünschter sexueller Aktivität

Mahlzeiten

Keine Einschränkung

Warum dieses Timing?

PT-141 benötigt ca. 45 Minuten, um die zentralnervösen Melanocortin-Rezeptoren zu aktivieren. Die Wirkung hält mehrere Stunden an. Keine Nahrungsmittelinteraktion bekannt.

Mögliche Nebenwirkungen

Nicht jeder erlebt diese Effekte. Individuelle Reaktionen variieren.

Übelkeit, häufigste Nebenwirkung (ca. 40%)häufig
Gesichtsrötung/Flush (ca. 20%)häufig
Kopfschmerzengelegentlich
Reaktionen an der Injektionsstellegelegentlich
Transienter Blutdruckanstieggelegentlich
Hyperpigmentierung bei häufiger Nutzungselten
Erbrechenselten

Studienlage (6 Studien)

PT-141 hat eine robuste klinische Evidenzbasis: FDA-Zulassung basierend auf zwei identischen Phase-III-Studien (RECONNECT 301 und 302) mit über 1.200 Teilnehmerinnen. Signifikante Steigerung des sexuellen Verlangens und signifikante Reduktion des Leidensdrucks im Vergleich zu Placebo. Auch bei Männern mit erektiler Dysfunktion in Phase-II-Studien untersucht, jedoch nur für Frauen zugelassen. Häufigste Nebenwirkung: Übelkeit (40%).

Bremelanotide for the Treatment of Hypoactive Sexual Desire Disorder: Two Randomized Phase 3 Trials

Kingsberg SA et al. · Obstetrics & Gynecology · 2019

1.247 prämenopausale Frauen mit HSDD24 Wochen

Statistisch signifikante Steigerung des sexuellen Verlangens und signifikante Reduktion des Leidensdrucks im Vergleich zu Placebo in beiden Phase-III-RECONNECT-Studien.

An effect on the subjective sexual response in premenopausal women with sexual arousal disorder by bremelanotide (PT-141)

Diamond LE et al. · Journal of Sexual Medicine · 2006

18 prämenopausale Frauen mit ErregungsstörungDoppel-Cross-over, 24 Stunden

Frauen, die Bremelanotide erhielten, berichteten von signifikant mehr moderater bis hoher sexueller Lust und waren signifikant zufriedener mit ihrer sexuellen Erregung nach Geschlechtsverkehr.

Prespecified and Integrated Subgroup Analyses from the RECONNECT Phase 3 Studies of Bremelanotide

Simon JA et al. · Journal of Women's Health · 2022

1.202 prämenopausale Frauen mit HSDD24 Wochen + 52-Wochen-Extension

Bremelanotide zeigte statistisch signifikante Verbesserungen des sexuellen Verlangens und Reduktion des Leidensdrucks über alle vordefinierten Subgruppen hinweg, unabhängig von Alter, Gewicht, BMI oder Östrogenkonzentration.

Novel Pharmacologic Treatments of Female Sexual Dysfunction

How A et al. · Clinical Obstetrics and Gynecology · 2025

Übersicht der FDA-zugelassenen MedikamenteLiteraturübersicht

Bremelanotide und Flibanserin sind die einzigen FDA-zugelassenen Medikamente für generalisierte erworbene HSDD bei prämenopausalen Frauen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen und Sicherheitsprofilen.

Pharmacotherapy of Hypoactive Sexual Desire Disorder in Premenopausal Women

Barakeh D et al. · Annals of Pharmacotherapy · 2024

Umfassende Übersicht der PharmakotherapieLiteraturanalyse

Bremelanotide und Flibanserin sind die einzigen FDA-zugelassenen Optionen, wobei Bremelanotide über Melanocortin-Rezeptor-Agonismus wirkt, während Flibanserin ein 5-HT1A-Agonist ist.

Understanding Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD) in Women: Etiology, Diagnosis, and Treatment

Ronghe V et al. · Cureus · 2023

Umfassende Übersicht der HSDD-Ätiologie und BehandlungLiteraturübersicht

Bremelanotide bietet eine pharmakologische Option für HSDD durch zentrale Melanocortin-Agonismus, mit Diskussion von biologischen, psychologischen und soziokulturellen Faktoren der HSDD.

Detailwissen

Häufige Fragen

Quellenverzeichnis

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