Thymalin

Phase 2

Auch bekannt als: Thymalin-Bioregulator, Thymus-Extrakt-Peptid, Thymuspeptidkomplex

Thymalin ist ein Peptidkomplex aus niedermolekularen Peptiden, der durch kontrollierte Extraktion aus dem Thymus junger Kälber gewonnen wird. Es wurde in den 1970er Jahren am St. Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie von Prof. V. Kh. Khavinson entwickelt und ist in Russland seit über 30 Jahren als immunmodulatorisches Arzneimittel zugelassen. Thymalin fördert die Differenzierung hämatopoetischer Stammzellen zu reifen T-Lymphozyten, normalisiert pro-inflammatorische Zytokine und zeigt in Langzeitstudien geroprotektive Effekte mit einer bis zu 2-fachen Reduktion der Mortalität bei älteren Patienten.

Thymalin – Wissenschaftliche Illustration

KATEGORIE

Immunsystem & Entzündung

HALBWERTSZEIT

Variable (Peptidgemisch)

VERABREICHUNG

Intramuskulär

EVIDENZ

Mittel

ANWENDUNGSDAUER

5–10 Tage (Behandlungszyklus), 2x jährlich

Nur Tier- und Laborstudien. Keine kontrollierten Humanstudien abgeschlossen.
Erste Sicherheitsstudien am Menschen. Kleine Gruppen (20-80 Probanden).
Wirksamkeits- und Dosisfindungsstudien. Mittlere Gruppen (100-300 Probanden).
Groß angelegte Wirksamkeitsstudien. Tausende Probanden, Vergleich mit Placebo.
Von der FDA als sicher und wirksam eingestuft. Verschreibungspflichtiges Medikament.

Aktueller Status: Phase 2

In Russland als immunmodulatorisches Arzneimittel zugelassen. Über 30 Jahre klinische Anwendung in Russland und GUS-Staaten. Entwickelt am St. Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie unter Prof. V. Kh. Khavinson. Keine FDA-Zulassung, keine formalen westlichen Phase-III-Studien.

Beliebt für

ImmunsystemAnti-Aging

Wirkmechanismus

Thymalin wirkt als multisystemischer Bioregulator über mehrere Mechanismen: T-Zell-Differenzierung: Thymalin stimuliert die Differenzierung hämatopoetischer Stammzellen zu reifen T-Lymphozyten. In-vitro-Versuche zeigten, dass Thymalin die Expression des Stammzellmarkers CD44 und des Differenzierungsmarkers CD117 um das 2- bis 3-Fache reduziert und gleichzeitig die Expression von CD28 (Marker reifer T-Zellen) um das 6,8-Fache steigert. Es stellt das gestörte CD4/CD8-Verhältnis bei Immunseneszenz wieder her. Zytokin-Normalisierung: Thymalin und seine aktiven Dipeptide KE (Lys-Glu) und EW (Glu-Trp) senken die Produktion pro-inflammatorischer Zytokine (TNF-alpha, IL-1beta, IL-6) in menschlichen mononukleären Zellen um das 1,4- bis 6-Fache. Dies reduziert das sogenannte Inflammaging, also die chronische niedriggradige Entzündung, die Alterungsprozesse beschleunigt. Genexpression: Auf epigenetischer Ebene interagieren die Kurzpeptide von Thymalin mit doppelsträngiger DNA. Das KE-Dipeptid bindet bevorzugt an die GCGC-Sequenz der gekrümmten nukleosomalen DNA und reguliert Gene der Immunfunktion, Zellproliferation und Apoptose. Neutrophile und Phagozytose: Thymalin aktiviert die Chemotaxis und Phagozytose von Neutrophilen und steigert damit die unspezifische Immunabwehr. Anti-inflammatorische Wirkung: Alle Khavinson-Peptide hemmen die TNF-alpha- und IL-6-Expression in LPS-stimulierten Makrophagen und reduzieren die Adhäsion von Monozyten an aktivierte Endothelzellen, was auf einen Mechanismus der TNF-Toleranz hindeutet.

Dosierung

Standard (Khavinson-Protokoll)

Dosis

10 mg

Frequenz

1x täglich

Verabreichung

Intramuskuläre Injektion

Zyklus: 5–10 Tage, 2x jährlich (Frühjahr + Herbst)

Klassisches russisches Protokoll. Lyophilisiertes Pulver wird mit 1–2 mL NaCl 0,9% rekonstituiert.

Timing & Einnahme

Beste Einnahmezeit

Morgens

Mahlzeiten

Unabhängig von Mahlzeiten

Warum dieses Timing?

Die intramuskuläre Gabe morgens nutzt die natürliche zirkadiane Aktivitätsspitze des Immunsystems. Thymalin wird nahrungsunabhängig absorbiert, da es intramuskulär verabreicht wird.

Mögliche Nebenwirkungen

Nicht jeder erlebt diese Effekte. Individuelle Reaktionen variieren.

Lokale Schmerzen an der Injektionsstellegelegentlich
Leichtes Fieber als Zeichen der Immunaktivierungselten
Allergische Reaktion (besonders bei Rinderprotein-Allergie)selten
Rötung oder Schwellung an der Injektionsstellegelegentlich

Studienlage (7 Studien)

Die klinische Evidenz zu Thymalin stammt überwiegend aus russischen Studien. In einer Langzeitstudie über 6 bis 8 Jahre an 266 Patienten über 60 Jahren reduzierte Thymalin die Mortalität um das 2,0- bis 2,1-Fache im Vergleich zur Kontrolle. Die Kombination mit Epithalamin über 6 Jahre ergab sogar eine 4,1-fache Reduktion. Neuere In-vitro-Studien bestätigen die Fähigkeit von Thymalin, die Differenzierung hämatopoetischer Stammzellen zu CD28-positiven T-Lymphozyten zu stimulieren. Im Kontext von COVID-19 beschleunigte Thymalin plus Standardtherapie die Normalisierung von Lymphozytenzahlen und Zytokinprofilen. Die Evidenz ist methodisch solide für russische Standards, jedoch fehlen unabhängige westliche Replikationsstudien und doppelblinde Phase-III-Trials.

Peptides of pineal gland and thymus prolong human life.

Khavinson VKh, Morozov VG · Neuro Endocrinology Letters · 2003

266 Patienten über 60 Jahre6–8 Jahre

Thymalin reduzierte die Mortalität um das 2,0- bis 2,1-Fache vs. Kontrolle. Die Kombination Thymalin plus Epithalamin über 6 Jahre senkte die Mortalität sogar um das 4,1-Fache. Deutliche Verbesserung kardiovaskulärer, endokriner und immunologischer Parameter.

Results and Prospects of Using Activator of Hematopoietic Stem Cell Differentiation in Complex Therapy for Patients with COVID-19.

Khavinson VKh et al. · Stem Cell Reviews and Reports · 2021

Thymalin plus Standardtherapie bei COVID-19 beschleunigte den Rückgang von IL-6, CRP und D-Dimer. Die T-Zell-Parameter normalisierten sich schneller, was das Thromboserisiko senkte.

Thymalin: Activation of Differentiation of Human Hematopoietic Stem Cells.

Khavinson VKh et al. · Bulletin of Experimental Biology and Medicine · 2020

Thymalin reduzierte die Expression von CD44 und CD117 um das 2- bis 3-Fache und steigerte die CD28-Expression um das 6,8-Fache, was die Differenzierung hämatopoetischer Stammzellen zu reifen T-Lymphozyten belegt.

Peptides Regulating Proliferative Activity and Inflammatory Pathways in the Monocyte/Macrophage THP-1 Cell Line.

Avolio F, Martinotti S, Khavinson VKh et al. · International Journal of Molecular Sciences · 2022

Thymalin und andere Khavinson-Peptide hemmten die TNF-alpha- und IL-6-Expression in LPS-stimulierten Makrophagen und reduzierten die Monozytenadhäsion an Endothelzellen. Die Peptide wirken als natürliche Induktoren der TNF-Toleranz.

Natural and synthetic thymic peptides as therapeutics for immune dysfunction.

Morozov VG, Khavinson VK · International Journal of Immunopharmacology · 1997

Grundlegende Charakterisierung von Thymalin: Aktivierung der T-Zell-Differenzierung, Erkennung von Peptid-MHC-Komplexen, Modulation zyklischer Nukleotide und Zytokinsekretion (IL-2, IFN). Synthetische Dipeptide aktivierten zusätzlich Neutrophilen-Chemotaxis.

The Influence of KE and EW Dipeptides in the Composition of the Thymalin Drug on Gene Expression and Protein Synthesis Involved in the Pathogenesis of COVID-19.

Linkova N, Khavinson V et al. · International Journal of Molecular Sciences · 2023

Die aktiven Dipeptide KE und EW aus Thymalin senkten die Synthese von IL-1beta, IL-6 und TNF-alpha in mononukleären Zellen um das 1,4- bis 6-Fache. Clusteranalyse identifizierte AKT1 und AKT2 als potenzielle Zielmoleküle im Zytokinsturm.

Peptide Regulation of Gene Expression: A Systematic Review.

Khavinson VKh et al. · Molecules · 2021

Systematischer Review: Kurzpeptide (2–7 Aminosäuren) dringen in Zellkerne ein, interagieren mit Histonen und DNA-Promotorregionen und regulieren Genexpression epigenetisch. Dies erklärt die gewebespezifische Wirkung von Peptid-Bioregulatoren wie Thymalin.

Detailwissen

Häufige Fragen

Quellenverzeichnis

Verwandte Peptide